Stadt richtet Burg-Palas wieder her
Kreis, Land und Eppsteiner Burgverein unterstützen die Sanierung / Garten soll im September eröffnen

Die Sanierung des Palas, die Rekonstruktion eines früheren Gartens und eine neue Toilettenanlage auf der Burgruine Eppstein stehen eine Reihe von Bauarbeiten an. Außerdem soll im Mai ein großer Walknochen wieder Einzug halten, der in der Sage um die Burggründung eine wichtige Rolle spielt.
Von Torsten Weigel

Eppstein  - Wie der maritime Knochen nach Eppstein gekommen ist, kann selbst Stadtarchivar Bertold Picard nicht genau sagen. „Möglicherweise hat ihn ein Ritter einmal von einer Nordsee-Reise mitgebracht." Jedenfalls hing der Unterkiefer-Knochen eines Bartenwals lange Jahre über dem inneren Tor der Burg - und galt den Eppsteinern als Knochen eines Riesen.

Laut einer Sage hatte dieser Riese eine Jungfrau namens Bertha aus Bremthal verschleppt. Doch Ritter Eppo gelang es, die Jungfrau zu befreien und den Riesen zu besiegen. Als Folge errichtete er am Ort des Geschehens die Burg Eppstein, so lautet das Ende der Mär. Den echten „Riesenknochen" werden die Eppsteiner zwar nicht mehr zurückbekommen, er bleibt im Landesmuseum in Wiesbaden. Aber eine originalgetreue Kopie soll am Sonntag, 21. Mai, anlässlich des Internationalen Museumstages wieder an seinem alten Platz angebracht werden. Schon in den kommenden Tagen sollen die Arbeiten auf der Burg beginnen. Im Mittelpunkt steht das frühere herrschaftliche Wohngebäude, der Palas. Im vergangenen Jahr ist aus der dreistöckigen Ruine, deren Rückseite als Bühne genutzt wird, der Schutt entfernt worden. Nun soll der Palas stabilisiert und so weit wie möglich wiederhergerichtet werden.

Außerdem will die Stadt den so genannten Altangarten, der sich unterhalb des Palas befindet, neu anlegen. Laut Picard soll dort eine Mischung aus Blumen- und Nutzgarten entstehen. Die Eröffnung ist für Sonntag, 10. September 2006, vorgesehen.
Burg Eppstein Mittelalterfest

Die Burg Eppstein ist immer wieder ein Anziehungspunkt: zu den Festspielen, zum Museumsbesuch oder- wie hier auf dem Archivbild - beim Mittelalterfest.

Zusätzliche Toiletten

Nicht ganz so ästhetisch, aber mindestens genauso wichtig ist der Ausbau der Toilettenanlage. „Vor allem bei größeren Veranstaltungen bilden sich regelmäßig lange Schlangen", sagt Picard. Deshalb sollen in diesem Jahr zusätzliche Toiletten gebaut werden. Außerdem sei der Kanal „dringend sanierungsbedürftig".

Die Gesamtkosten schätzt Picard auf 160.000 Euro, von denen die Stadt den Löwenanteil trägt. Außerdem gibt es Zuschüsse von Kreis und Land. Und auch der Burgverein beteiligt sich. Hatte er schon im vergangenen Jahr die Arbeiten am Palas mit 18.000 Euro bezahlt, rechnet Picard für dieses Jahr mit einem Zuschuss von 30.000 Euro durch den Verein, der sich vor allem für die Toilettenanlage engagieren werde.

Die Besucherzahlen waren aus Sicht von Picard „ganz normal": Insgesamt 16.000 Gäste konnte er im vergangenen Jahr verzeichnen - die Hälfte davon besichtigten Burg und Museum, die andere Hälfte besuchte Veranstaltungen wie die Burgfestspiele. Da in diesem Jahr am 10. und 11. Juni wieder Ritterspiele anstehen, rechnet der Stadtarchivar mit rund 5000 Menschen mehr auf der Burg. Leider könne Eppstein mit Königstein und Kronberg nicht ganz mithalten, bedauert Picard. Deren Vorteil: „Man kann sie von Frankfurt aus sehen." Dieses Manko hofft Picard durch das „Netzwerk Taunus-Burgen" ein wenig auszugleichen, dem Eppstein sich angeschlossen hat. Das Netzwerk hat ein Faltblatt herausgebracht, von den mehrere zehntausend Exemplare verteil werden.

Frankfurter Rundschau - 3.5.06 - mit freundlicher Erlaubnis der FR