1933 - Ende der Freiheit
Ü
bergabe an die NSDAP - vor 75 Jahren entmachtete sich der Landtag des Volksstaates Hessen selbst

Von Simon Neutze

Es war das Ende des demokratischen Föderalismus: Der 16. Mai 1933 markiert in Hessen einen der letzten Schritte zur Gleichschaltung mit dem nationalsozialistischen Deutschland. In seiner letzten Sitzung überträgt der Landtag des Volksstaates Hessen in Darmstadt dem damaligen Ministerpräsidenten Ferdinand Werner (NSDAP) die gesetzgebende Gewalt.

Bereits kurz nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 leiten die Nationalsozialisten die Gleichschaltung der Länder ein. Das heutige Hessen teilt sich zu dieser Zeit in die Preußische Provinz Hessen-Nassau und den Volksstaat Hessen auf.

Die Preußen-Provinz wird nach den Kommunalwahlen im März schnell von der NSDAP übernommen. Der Volksstaat wird trotz einer Landtagsmehrheit der NSDAP seit 1932 noch von der SPD-Minderheitsregierung kommissarisch geleitet. Allerdings streben die Nazis nach dem deutlichen Sieg bei den Reichstagswahlen am 5. März [relative Mehrheit! Aber Zusammenwirken mit den bürgerlichen und reaktionären Kräften. Webmaster] auch in Darmstadt offen die Machtübernahme an. Der SPD- Staatspräsident Bernhard Adelung wird unter Hausarrest gestellt, kurze Zeit später wählt die NSDAP Ferdinand Werner zu seinem Nachfolger.

Noch mehr direkte politische Kontrolle erreicht Hitler mit der Einsetzung des neuen Reichsstatthalters Jakob Sprenger. Auf den Straßen hat die SA unter dem neuen Reichskommissar und späteren Gestapo-Chef Heinrich Müller schon längst das Kommando.

Auch die neuen politischen Verhältnisse sind jedoch nicht von langer Dauer: Mit dem Gleichschaltungsgesetz vom 31. März werden die Landtage nach den Sitzverhältnissen des Reichstag neu zusammen gesetzt und 1934 ganz aufgelöst. Der so gebildete Darmstädter Landtag trat nur ein einziges Mal zusammen: Der 16. Mai 1933 sollte die vorerst letzte Sitzung eines Hessischen Landtages sein.


GLEICHSCHALTUNG 1933

5. März: Die NSDAP verzeichnet einen deutlichen Sieg bei den Reichstagswahlen. Die Nazis greifen nun offen nach der Macht in den Länderregierungen.

12. März: Nach den Preußischen Kommunalwahlen übernimmt die NSDAP die Kontrolle über Hessen-Nassau.

13. März: Ferdinand Werner wird neuer Präsident des Volksstaates Hessen.

16. April: Der Darmstädter Landtag wird nach den Verhältnissen der Reichstagswahl neu gebildet.

16. Mai: Erste und einzige Sitzung des neuen Darmstädter Landtages.

Frankfurter Rundschau –16.5 .08 - mit freundlicher Erlaubnis der FR

Die brutalen Schläger- Kolonnen der SA hatten die absolute Macht auf der Straße und waren auch noch zur “Hilfspolizei” avanciert. Da brachen schnell alle demokratischen Strukturen gewaltsam zusammen - nicht zuletzt weil es zu wenig Demokraten gab. Zu viele Bürgerliche und Eliten begrüßten das neue, das NS- Deutschland...