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Burgfrieden um nassauische Schätze Wiesbaden - Zwischen der Leitung des Landesmuseums und dem Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung herrscht so etwas wie Burgfrieden. Lange hat sich der Verein über den Umgang mit der Sammlung und deren vernachlässigte Präsentation im Landesmuseum geärgert und beklagt. Vorsitzender Wilfried Schüler hat sich jetzt arrangiert und gibt sich mit einem Kompromiß zufrieden: die Sammlung geht wieder komplett an die Stadt Wiesbaden zurück und das Landesmuseum könnte einige Exponate wie Skulpturen und Bilder als „Dauerleihgabe" bekommen, um sie auszustellen. Keine „Rosinen" für Rattemeyer Ideal wäre nach Ansicht Schülers gewesen, wenn es für die Altertümer-Sammlung auch einen Anbau am Landesmuseum gegeben hätte. Land und Stadt haben aber längst anders entschieden: Die Altertümer-Sammlung soll ins geplante Stadtmuseum, dafür zahlt das Land der Stadt einen Zuschuß von fünf Millionen Euro und übernimmt auch die Personalkosten für drei Stellen in Höhe von rund 100.000 Euro im Jahr. Es wird somit wieder etliche Jahre dauern, bis die ohnehin seit Jahren der Öffentlichkeit entzogene Sammlung wieder zu besichtigen ist. Bis zur Eröffnung der entsprechenden Abteilung in einem Stadtmuseum werden ab Herbst, wenn der aufwendige Umbau des Landesmuseums weitergeht, die historischen Stücke überwiegend in einer Halle in Nähe des Stadtarchiv zwischengelagert. Die Münzsammlung übernimmt die Naspa in ihre Obhut. Zweifel, daß für die Sammlung Nassauischer Altertümer in dem Stadtmuseum ausreichend Platz ist, hat nicht nur Schüler. Auch Hans-Jürgen Anderle, Vorsitzender des Nassauischen Vereins für Naturkunde, ist skeptisch, daß die Altertümer-Sammlung in großem Stil zu sehen sein wird. Anders als Schüler will Anderle nicht, daß die Sammlung „zerschlagen" wird. Derzeit ist die Sammlung auf rund 1200 Quadratmetern in verschiedenen Etagen ausgebreitet - und längst ist nicht alles ausgestellt. Die gesamte Ausstellungsfläche des Stadtmuseums beträgt etwa 4000 Quadratmeter. Als Vorsitzender des Naturkundevereins sorgt sich Anderle aber auch wegen des Umgangs mit der Naturwissenschaftlichen Sammlung, die ihren Platz im Landesmuseum an der Friedrich-Ebert-Straße behalten und im Zuge des Museumsumbaus neu präsentiert werden soll. Die Sammlung ist seit der Jubiläumsausstellung zum 175-jährigen Bestehen des Vereins im Oktober 2004 nicht mehr zu besichtigen. Ab und zu gibt es zwar Führungen, „aber in den Räumen der Schausammlungen wurde bisher nichts gemacht", kritisiert Anderle. An einem Konzept, das derzeit im Landesmuseum entwickelt wird, ist der Verein nicht beteiligt. „Wir haben nur noch ideell etwas damit zu tun", sagt Anderle. 18,5 Millionen Euro kostet der 2003 begonnene Umbau des Landesmuseums zum erweiterten Kunsttempel. 700 Quadratmeter Fläche sind neu entstanden, weitere 400 Quadratmeter Abstellfläche wurden umfunktioniert. Die Naturkundliche Sammlung, so das Versprechen der Museums-Vizedirektorin Renate Petzinger im Mai, bekomme mehr Platz. Das derzeit geschlossene Museum soll am 28. September wiedereröffnet werden - mit Präsentation einiger Neuanschaffungen für die Kunstsammlung. Die nächste Bauphase soll 2008 fertig sein. Die Bürgerliste Wiesbaden indes fordert von der Stadt weiter die Abkehr von einem Neubau fürs Stadtmuseum in Nachbarschaft des Landesmuseums. Sie favorisiert als Standort den Gerichtsbau an der Moritzstraße.
Hinter Goethes Rücken dümpeln im Landesmuseum seit Jahren die naturkundliche Sammlung und die nassauischen Altertümer. Frankfurter Rundschau - 15.08.2006 - mit freundlicher Erlaubnis der FR |