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Spuren der Erinnerung Von Kathrin Rosendorff Er fällt gleich auf. Sein beiger Anzug sitzt elegant. Die Zigarette hängt locker im Mundwinkel. Er sieht aus wie Harrison Ford in einem Film aus den 20-er Jahren. „Jakob Nussbaum war ebenso überzeugter Zionist wie Deutscher", sagt Susanne Urban. Sie steht vor einer Fotowand der „großen jüdischen Familie" im Jüdischen Museum am Untermainkai. Neben Nussbaum blickt man in die Augen der bildhübschen, blonden und blauäugigen Fechterin Helene Mayer aus Offenbach, die als „Ehrenarierin" im deutschen Team zur Olympiade 1936 in Berlin antreten mußte. Auch Juden in orthodoxer Kluft stehen zusammen. „Statt anonymisiertem Trauern geht es mir vielmehr darum, Empathie mit den Einzelschicksalen der Frankfurter Juden hervorzurufen und auch ihre Vielschichtigkeit zu zeigen", betont Urban. Seit 1990 ist sie freie Mitarbeiterin des Jüdischen Museums und arbeitet seit vier Jahren in der Deutschen Abteilung Yad Vashem - der Internationalen Schule für Holocaust-Studien - in Jerusalem. Sie wird eine der zwei Gruppen des FR-Ferien-Rundgangs „Schichten der Erinnerung: historische Orte und Stätten jüdischen Lebens in Frankfurt vom 12. Jahrhundert bis 1945" leiten. „Ich werde viele Briefen von Zeitzeugen vorlesen", verspricht Urban. Das Jüdische Museum, das im November seinen 20.Geburtstag feiert, ist Ausgangspunkt des Rundgangs. Von außen hat es eine zurückhaltende Fassade, innen konzentriert sich die Schau auf regionale jüdische Geschichte. „Die ersten Juden kamen ab dem 12. Jahrhundert nach Frankfurt", erzählt Urban. Am Südportal des Frankfurters Doms blickt Josef mit dem „Judenhut", der neben Maria mit dem Jesuskind steht, gegenüber auf ein Cafe. „Sitzt man im Garten des heutigen Cafe Metropols, sitzt man im ersten jüdischen Viertel", verrät Urban. Unweit davon sind die Reste der Staufenmauer in der Fahrgasse zu sehen. Nordöstlich von ihr mußten die Frankfurter Juden 1462 in die Judengasse ziehen. Ghetto in Frankfurt Es war das erste jüdische Ghetto in Frankfurt. Bis zum Beginn der Emanzipation im 19. Jahrhundert waren hier 3000 Menschen auf 340 Meter Länge und vier Meter Breite eingesperrt. „So waren die Juden einerseits in ihrer Freiheit begrenzt, gleichzeitig war das Ghetto aber auch ein kleiner Schutzraum, von dem sie zumindest nicht vertrieben wurden", sagt Urban. Raus aus den Mauern ging es nur mit einem Passierschein, und schon damals mußten die Juden eine Markierung am Arm tragen - einen goldenen Kreis: „So klebte selbst an Betteljuden das Klischee des Geldjuden", berichtet Urban. Hinter der Judengasse geht es über Schottersteine zur 1996 eröffneten Gedenkstätte und dem altem jüdischem Friedhof. „Erinnern soll nicht bequem sein", sagt Urban. Frankfurter Rundschau - 23.7.08 - mit freundlicher Erlaubnis der FR |