Keltenscheiben zurück
Hofheim: Leihgabe des Landesmuseums Wiesbaden in Langenhain

Der wohl bei weitem wichtigste vorgeschichtliche Fund aus der Langenhainer Gemarkung ist jetzt in dem Hofheimer Stadtteil zu sehen.

Der Fund besteht aus 28 Bronzescheiben und einem Gußkuchen. Die Scheiben sind nach Angaben der Arbeitsgruppe 700-Jahr-Feier des Vereinsrings keltischen Ursprungs und stammen aus der älteren Latenezeit, etwa 450 bis 100 Jahre vor Christus.

Gefunden wurden die Stücke im Jahr 1904 bei Erdarbeiten im Bahnholz in Langenhain. Die Scheiben haben einen Durchmesser zwischen sechs und 20 Zentimeter. Wahrscheinlich dienten die Bronzescheiben als Verzierungen für Pferdegeschirre. Vergleichbare Stücke sind den Angaben nach - jedoch in größerer Zahl - in den reich ausgestatteten Gräbern der frühen Latenezeit im Nordosten Frankreichs und in den linksrheinischen Landschaften gefunden worden.

Größter derartiger Fund

Langenhain sei bis jetzt der einzige rechtsrheinische und am weitesten östlich gelegene Punkt, wo derartige Scheiben gefunden wurden. Laut dem Arbeitskreis ist die Langenhainer Bronzescheiben der größte Fund frühlatenischer Zierscheiben in Mitteleuropa.

Dem Arbeitskreis des Vereinsringes zur Vorbereitung der 700-Jahr-Feier, die im kommenden Jahr begangen wird, ist es gelungen, die Keltenscheiben bis zum Ende des Jubiläumsjahres als Leihgabe vom Museum in Wiesbaden zu erhalten. Die Scheiben sind in der Filiale der Taunussparkasse in der Wallauer Straße ausgestellt - bis Ende 2009.

Auf der Langenhainer Gemarkung- auf dem Bahnholz, dem Birkenfeld und den Pfarrwäldern - wurden bislang rund 60 neolithische Steinwerkzeuge, meist Steinbeile, gefunden. Eine prähistorische Siedlung konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden.

Aus der Bronzezeit stammen die Hügelgräber auf der Kartaus. Der bislang wichtigste prähistorische Fund bleiben jedoch weiterhin die bronzenen Zierscheiben.

Um 1300 wird Langenhain als planmäßig angelegtes Dorf mit 24 Hufen und westöstlich verlaufender Langstreifenflur - vermutlich durch Mainz auf Reichsland - gegründet. Die Ersterwähnung als „Langenhayn" in einer Urkunde des Mainzer Liebfrauenstifts aus dem Jahr 1309, datiert auf den 3. März.

Aus den Jahren 1607/1609 stammt die älteste bildliche Darstellung Langenhains : auf der Dilichschen Karte der Herrschaft Eppstein. 1610 gibt es in Langenhain 28 Haushaltungen.

1736 wird das Forsthaus, heute „Jagdhaus" genannt, errichtet. 1748 wird die alte Langenhainer Kirche abgerissen und an derselben Stelle die heutige Kirche gebaut. 1939 hat Langenhain 788 Einwohner. Im Jahr 1964 wird das Haus der Andacht der Baha'i eingeweiht. Das Gebäude macht Langenhain weithin bekannt.

Seit dem Jahr 1972 ist Langenhain ein Stadtteil von Hofheim. Heute leben dort etwa 3500 Menschen. rmu

Am 3. März 2009 soll es im Jagdhaus Langenhain eine kleine Feier zum Anlaß der 700-jährigen Ersterwähnung geben. Das Festwochenende ist für den 29. Mai / 1. Juni vorgesehen. Zudem soll es Ausstellungen, Vorträge und Führungen geben, die sich mit der Geschichte Langenhains beschäftigen.

Frankfurter Rundschau – 22.2.08 - mit freundlicher Erlaubnis der FR