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Der Eschborner Gemeinderat vor 100 Jahren: 1908 Im Jahre 1908 hatte Eschborn (damals natürlich noch ohne Niederhöchstadt) 13 Gemeinde-Vertreter. Sie faßten die notwendigen Beschlüsse und kümmerten sich um das Wohl der Gemeinde - vergleichbar unserer heutigen Stadtverordnetenversammlung. Der Gemeinderat, wie er damals genannt wurde, traf sich 1908 unter der Leitung von Bürgermeister Johann Gottlieb Kerber (Bürgermeister von 1894 - 1913) zu dreizehn Sitzungen. Getagt wurde in dem 1847 erbauten Rathaus, das gleichzeitig als Schulhaus diente (heute das Vereinshaus, Hauptstrasse 14). Wir haben einen Blick in das Protokollbuch der damaligen Zeit geworfen und uns einen Überblick über die Themen verschafft, die Gegenstand der örtlichen Beratungen waren. Glücklicherweise wurden alle Beschlüsse getreulich protokolliert. So können wir heute noch nachlesen, was 1908 die Gemüter der Gemeindevertreter, und sicher auch die mancher Eschborner, bewegt hat. Die erste Sitzung wurde bereits am 7. Januar 1908 einberufen; sie wurde durch Aushang öffentlich bekannt gemacht. Zehn Gemeinderäte waren dazu erschienen, drei waren entschuldigt. Es wurden nur drei Tagesordnungspunkt beraten, bei zweien ging es um Fluchtlinienpläne und Grundstückssachen, die einstimmig beschlossen wurden. Der einzige Punkt, bei dem es eine Gegenstimme gab, betraf die Übernahme der Kosten der „Leichenschau - Gebühren" auf die Gemeindekasse. Diese Gebühren wurden immer dann fällig, wenn der Arzt den Tod eines Menschen feststellte und den Totenschein ausstellte. Offenbar war ein Mitglied der Gemeindevertretung der Ansicht, die Gemeinde solle diese Kosten tragen, nicht die Familie des Verstorbenen. In der nächsten Sitzung, am 24. Februar, wurden unter anderem vier Mitglieder in den örtlichen Schulvorstandes gewählt. Es waren dies Philipp Kaiser, Reinhard Epp, Philipp Müller und Lehrer Adolf Haxel. Von Amts wegen waren in diesem Vorstand außerdem vertreten der Ortsgeistliche Pfarrer Adolf Paul sen., der Hauptlehrer Emil Dieterich und Bürgermeister Gottlieb Kerber. Außerdem wurde beschlossen, daß in einen Fond zur Anschaffung neuer Schulbänke 1200 Mark eingezahlt werden sollten. Am 19. März traf man sich zu einer Sitzung um u. a. dem Förster Pöllwitz, der für den Eschborner Wald zuständig war, für seine auswärtigen Dienstreisen pro Tag 8 Mark zu genehmigen. Der Eschborner Wald liegt im Taunus, oberhalb von Kronberg. Am 23. März versammelten sich die Gemeinderäte um nur einen einzigen Punkt zu beschließen: sie hoben den Beschluß über die Wahl der 4 Schulvorstände aus der Sitzung vom 24. Februar auf - die Gründe werden leider nicht angegeben - und wählten einstimmig zwei neue Mitglieder, den Landwirt Philipp Kaiser und den Schreinermeister Reinhard Epp in das Gremium. In der Sitzung vom 7. April wurde der Gemeindehaushalt für das Jahr 1908 beschlossen. An Einnahmen waren 42.302,- Mark und an Ausgaben 41.515,- Mark vorgesehen, es wurde also mit einem Überschuß von 787 Mark gerechnet. Für die örtliche Krankenschwester wurden 350 Mark bewilligt, allerdings unter der Bedingung, daß sie „die hiesigen Einwohner aller Confession bedient." Förster Pöllwitz erhielt für 1908 einen Wohnungszuschuß in Höhe von 47 Mark. Er wohnte übrigens nicht in Eschborn, sondern in Kronberg. Auch in der folgenden Sitzung stand ein Punkt auf der Tagesordnung, der sich erneut mit dem Förster befaßte: er soll bei Dienstreisen, welche er auf Eisenbahnen oder Dampfschiffen macht, pro Kilometer 5 Pfennige, für jeden Zu- oder Abgang eine Mark und für sonstige Dienstreisen 20 Pfennige pro Kilometer aus der Gemeindekasse erhalten. Ohne Kommentar abgelehnt wurde ein Gesuch der Nassauischen Brandversicherungs-Anstalt, auf dem Kirchturm der ev. Kirche einen Blitzableiter zu errichten. Dazu ist zu bemerken, daß die Baulast für den Kirchturm noch heute bei der bürgerlichen Gemeinde liegt. Am 25. Juni beschlossen die Gemeinderäte, daß die Schranken am Übergang der Homburger Eisenbahn, wie bisher, des nachts offen bleiben sollen. Am 16. Juli wurde ein weitreichender Beschluß gefaßt: Eschborn wird, zusammen mit den Gemeinden Sossenheim und Unterliederbach, eine gemeinsame Wasserversorgung errichten. Evtl. sollen sich noch andere Gemeinden aus dem Kreis mit anschließen dürfen. Eschborn wird dem zu gegründeten Zweckverband für die gemeinsame Wasserversorgung beitreten. Auch die Kosten für die notwendigen Vorarbeiten werden genehmigt. Am 4. September wurden auf der Grundlage eines Kostenvoranschlages 300 Mark beschlossen, mit denen im Jahre 1909 der „Vicinalweg" (nachbarschaftlicher Verbindungsweg) nach Schwalbach erneuert werden soll. Am 24. September mußten zwei neue Gerichtsmänner für das Ortsgericht gewählt werden. Vier Kandidaten stellten sich zur Wahl. Bei 12 anwesenden stimmberechtigten Gemeinderäten fielen auf Wilhelm Michel 12 Stimmen. Adolf Straßheimer und Philipp Reinhold Kunz erhielten jeder 6 Stimmen. Bei Stimmengleichheit entschied das Loos, das der Bürgermeister zugunsten von Adolf Straßheimer zog. Schon wenige Tage später, am 29. September tagte man erneut. Es ging wieder um die Besetzung einer Kommission, der „Wasserleitungs-Erbauungs-Commission". Die Herren Jakob Christoph, Wilhelm Gauf und Philipp Friedrich Müller wurden gewählt, als ihre Stellvertreter fungierten Reinhard Epp, Ludwig Börner und Wilhelm L. Datz. Am 26. November befaßte man sich mit dem Abschluß der Jahresrechnung für 1907. An Einnahmen waren 40.579,24 Mark und an Ausgaben 39.895,79 Mark zu verbuchen, also ein Überschuß von 683,45 Mark. Außerdem wurde der zukunftsweisende Beschluß gefaßt, auf dem Eschborner Friedhof ein Leichenhaus zu bauen. In der letzten Sitzung des Jahres, am 17. Dezember 1908, mußten die Zahlen des Abschlusses der Jahresrechnung 1907 aktualisiert werden. Außerdem wurde der zukunftsweisende Beschluß gefaßt, auf dem Eschborner Friedhof ein Leichenhaus zu bauen. Nunmehr standen 40.579 Mark auf der Einnahmenseite und 34.895,79 Mark in Ausgaben an. Die Jahresrechnung 1907 wurde einstimmig angenommen. Das jährlich von Eschborn anteilig zu zahlende Gehalt des Königlichen Försters Prillwitz wurde mit 320 Mark zuzüglich 4 Raummeter Brennholz und einem Wohnungszuschuß in Höhe von 80 Mark festgesetzt. Mit der Erbauung eines Försterdienstgehöftes ist die Gemeinde Eschborn einverstanden, unter der Bedingung, daß der Gemeinde deswegen keine weiteren Kosten entstehen. Zur Erläuterung soll hier angemerkt werden, daß Förster Prillwitz außer dem Eschborner Wald auch den restlichen Kronberger Wald betreute und die Kosten unter den beteiligten Waldeigentümern aufgeteilt wurden. Dem Fußgendarmen Heil wurde für 1908 eine Gratifikation (zusätzlicher Gehaltszuschuß wegen guter Leistung) bewilligt. Die Erbauung eines Leichenhauses auf dem Eschborner Friedhof wurde einstimmig beschlossen. Pläne und Berechnungen sollen in der nächsten Sitzung des Gemeinderates vorgelegt werden. Mit dieser Sitzung endete auch das Sitzungsjahr des Eschborner Gemeinderates. Sicher haben die damaligen Gemeindevertreter und der Bürgermeister ihre Aufgaben genau so ernst genommen, wie das heute noch der Fall ist, auch wenn uns die Probleme und Tagesordnungspunkte vergleichsweise weniger spektakulär vorkommen. Aus: |