Vom Ende des Krieges bis zur Währungsreform

Allmählich kamen wieder einige deutsche Männer in den Ort. Auf dem Flugplatzgelände waren polnische Fremdarbeiter - DPs - untergebracht, auf der Schwalbacher Höhe richteten die Amerikaner ein Kriegsgefangenlager mit ca. l .000 ehemaligen deutschen Soldaten ein. Nun kamen aber auch die ersten Flüchtlinge und später viele Vertriebene nach Eschborn. Die Zahl der Eschborner Einwohner betrug bei Kriegsende 1.712, sie stieg bis 1948 auf über 2.000 an.

Die Firma Schiele begann wieder zu arbeiten, die Produktion ging weiter. Vieles wurde von den Facharbeitern von Hand gefertigt, aus Frankfurts Trümmern Maschinen geborgen und wieder hergerichtet. Hier hatten während des Krieges auch z.B. Franzosen ihren Arbeitseinsatz leisten müssen, z.T. auch in der Landwirtschaft, natürlich auch Polen und Russen.

Außer einiger wenigen häßlichen Szenen, gab es in Eschborn sehr menschliche Begegnungen. So haben sich z.B. französische Kriegsgefangene von ihren deutschen Mitarbeitern in der Firma Schiele mit Handschlag verabschiedet. Es gibt in Eschborn Landwirte, die Franzosen, Polen oder Russen als "Fremdarbeiter" zur Hilfe hatten, mit denen sie heute noch im Briefwechsel stehen oder die zu Besuch nach hier kommen.

Eschborn Kriegsgefangenenlager


Im Juli 1945 kamen 1000 Kriegsgefangene aus dem PoW-Lager Boulbec in Frankreich auf den Eschborner Flugplatz. Als "Labor-Supervis Comp. 9125" mußten sie hier Abriß- und Aufbauarbeiten leisten. Sie waren nur notdürftig in Zelten untergebracht, mit Stacheldraht von und gegen die Außenwelt gesichert und wurden von zwei Wachtürmen aus überwacht.

Im März 1946 erhielt die Eschborner Firma Schiele den Demontagebefehl. Maschinen und Einrichtungen mußten abgebaut werden. So verließen im Dezember 1947 an die 36 Waggons mit Werkzeugmaschinen den Ort, die in sieben Länder gebracht wurden. Der Buchwert stand im Jahr 1938 bei 600.000,- Reichsmark. Das Bürohaus wurde später von den Amerikanern freigegeben, von der Gemeinde aber zur Unterbringung von Flüchtlingsfamilien wieder beschlagnahmt.

Die Währungsreform

Die Währungsreform setzte den Schwarzmarktgeschäften und der Geldentwertung ein Ende. Die Amerikaner führten mit der deutschen Verwaltung die Währungsreform am 20. Juni 1948 in ihrer Zone durch.

Die neue Währung hieß "Deutsche Mark". Für alle Bürger gab es eine Umtauschrate von 40,- Mark pro Kopf. Später noch weitere 20,- Mark. Insgesamt gab es also 60,- "Deutsche Mark". An diesem Tage waren "fast" alle Menschen in Deutschland gleich! Es gab auch Bürger, die den Pro-Kopf-Satz von 40,- alten Reichsmark, die man beim Empfang des neues Geldes abgeben mußte, nicht aufbringen konnten, - sie waren nicht gleich.

Die Betriebe wurden pro Kopf der Beschäftigten ebenfalls mit 60,- Deutsche Mark ausgestattet. Die öffentliche Hand und die Banken, die alles alte Geld abgeben mußten, erhielten Ausgleichsbeträge zugewiesen.

Auch die Gemeinde Eschborn erhielt eine erste Zuweisung, um den allgemeinen Betrieb aufrechtzuerhalten. Der Haushaltsansatz betrug im Jahre 1948 in Einnahmen und Ausgaben 155.870,- Reichsmark. Heute (1986) verfügt die Stadt über einen Etat von 54,3 Millionen Deutsche Mark.