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Zur Einführung Das vorliegende Bändchen „Eschborn - der Kronberger Ritter Heimat und Kinderstube" (noch bei der Historischen Gesellschaft Eschborn e.V. erhältlich; 2005) ist ein etwas verkleinerter Faksimilenachdruck des Ersten Abschnittes aus Omptedas Werk „Die von Kronberg und ihr Herrensitz", der die Vergangenheit unseres Heimatortes zum Inhalt hat. Das Buch ist eine geschichtliche Darstellung des Kronberger Rittergeschlechtes, aber mit der Geschichte unseres Dorfes und seiner Bewohner so fest verankert, daß die ersten Jahrhunderte als die Geschichte Eschborns angesehen werden können. Denn bevor die Reichsministerialen von Asceburnum sich von Cronenberg nannten, waren sie in Eschborn auf ihrem Reichslehen ansässig. Hier in Eschborn lebten sie, und hier waren sie daheim. Hier in der Turmburg wurden sie geboren, und in ihr standen auch ihre Wiegen. Hier in Eschborn war die Heimat und die Kinderstube derer, die auf einem, zum Eschborner Reichslehen gehörenden, dem Altkönig vorgelagerten Serezithügel die Kronenburg bauten und den Namen von Cronenberg annahmen. Denn die Turmburg hier unten am Westerbach war für die inzwischen angewachsene Familie der Herren von Asceburnum zu klein geworden. Sie konnte auch bei feindlichen Angriffen ihren Bewohnern nicht mehr die Sicherheit bieten, die in der damaligen Zeit eine Burg auf einem schwer zugänglichen Felsen bot. Wer war eigentlich Ludwig Freiherr von Ompteda, aus dessen Werk die Historische Gesellschaft Eschborn den ersten Abschnitt mit diesem Bändchen einem größeren Leserkreis wieder zugänglich machen möchte? In einer Lebensbeschreibung Omptedas, Nassauische Annalen 1980, S. 314-318, meint Wilhelm Jung: „Jeder Historiker und Freund der Kronberger Heimatgeschichte kennt den Namen dieses Mannes, zumindest als Verfasser des umfangreichen Werkes ,Die von Kronberg und ihr Herrensitz'." Ich möchte Jung nicht widersprechen und bin mit ihm einer Meinung, daß sowohl Ompteda als auch sein Werk in dem genannten Personenkreis bekannt sind. Ich muß aber fragen, ob dies genügt? Denn ich finde es sehr bedauerlich, daß außerhalb dieses Personenkreises Omptedas Werk nur wenigen Bürgern, den Jugendlichen aber und an den Schulen so gut wie gar nicht bekannt ist. Die wenigen noch vorhandenen Exemplare sind einerseits, wie Jung schreibt, weil „das Buch schon lange vergriffen, zu einer hochbezahlten bibliophilen Rarität geworden" und andererseits sind die in Bibliotheken vorhandenen wegen ihres Alters von der allgemeinen Ausleihe gestrichen und stehen nur in den Lesesälen dieser Institute als Einsicht zur Verfügung. Ich sage bewußt „Einsicht", denn wer hat schon die Zeit, ein Buch von diesem Umfange und dieses Inhaltes in den Räumen der Bibliotheken zu lesen und auszuwerten? Daß Omptedas Werk dadurch immer mehr in Vergessenheit gerät, wird weder dem Autor, der am „18. Mai 1828 zu Hoya an der Weser in der Provinz Hannover geboren", noch der Geschichte unserer engeren Heimat, an der er „fast vier Jahre intensiv arbeitete", gerecht. Ompteda schrieb das Werk im Auftrage der Kaiserin Friedrich, und Jung ist überzeugt, daß „der 66jährige mit dieser Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes noch eine ihn voll ausfüllende Lebensaufgabe fand, deren Vollendung er nur zwei Monate überlebt hat. Am 2. April 1897 übergab er das Manuskript dem Architekten Conrad Sutter in Mainz zur Beurteilung eines Planes für die Illustrationen. Von diesem stammt auch der schöne Bildschmuck. Gedruckt wurde das großformatige dicke Buch unter Aufsicht des Domkapitulars Schneider von Philipp Zabern in Mainz. Ludwig Freiherr von Ompteda starb am 26. Januar 1899 im Alter von 71 Jahren in Wiesbaden." Daß Ompteda und sein Werk nicht ganz der Vergessenheit anheimfällt, muß allen Freunden unserer Heimatgeschichte verpflichtende Aufgabe werden! Was in dieser an Reprints so reichen Zeit keine allzu großen Schwierigkeiten bereiten dürfte. Die Eschborner Turmburg, Stammsitz der Herren von Kronberg. Rekonstruktion aus Ferdinand Luthmers Werk „Bau- und Kunstdenkmäler". Der etwa um 1100 erbaute Wohnturm der Herren von Asceburne wurde am 19. Juni 1622 von Christian dem Braunschweiger zerstört. Abgesehen davon, daß heute schon neuere Erkenntnisse vorliegen, halte ich Omptedas Buch für die wichtigste und ergiebigste Quelle für alle Forschungsansätze über Eschborns Vergangenheit. Obwohl mir bekannt ist, daß seine Arbeit sowohl in der Vergangenheit als auch heute nicht kritiklos hingenommen wurde bzw. hingenommen wird. Jedoch darf bei aller Kritik nicht vergessen werden, daß das Buch vor 85 Jahren, als der Untertanengeist zu den schönsten Bürgertugenden zählte, geschrieben wurde, was Ompteda in seinem Vorwort auch zum Ausdruck bringt. Er schreibt selbst, daß er das Buch auf „huldreiche Anregung und Ermächtigung in tiefster Ehrfurcht und unauslöschlicher Dankbarkeit Ihrer Allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten Kaiserin und Königin" Friedrich schrieb. Fritz Eckert schreibt 1930 über Omptedas Buch in seiner Geschichte der Stadt Cronberg i. Ts.: „Äußerlich ein reich illustriertes und künstlerisch ausgestattetes Werk. Die in die Breite gezogene, viel zu weit ausholende und sich immer wieder in Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten verlierende Darstellung, in der meist Urkunden-, Akten- und Literaturzitate kritiklos aneinandergereiht sind, erschwert jedoch die Lektüre des Buches ungemein. Neben vielen Ungenauigkeiten, auf die alle einzugehen der Rahmen und der Zweck meiner Arbeit mir verbieten, fehlen dem Werk Omptedas die für eine wissenschaftliche Arbeit erforderlichen genügenden Quellennachweise. Außerdem hat es der Verfasser unterlassen, alle seine Zitate gewissenhaft zu kennzeichnen', wie er es in seinem Vorwort Seite VII so vertrauenerweckend versprach. Eine wertvolle, mühsame Aufgabe jedoch hat Ompteda gelöst, indem er die Genealogie des Hauses Cronberg fast lückenlos zusammenstellte, deren Richtigkeit festzustellen ich immer wieder die Gelegenheit hatte." Ein anderer Autor, Walther Möller, lobt das an Ompteda, was Eckert tadelt und tadelt das, was dieser lobt. In seiner Veröffentlichung „Zur Geneaologie der von Cronberg" im 44. Band der Nassauischen Annalen 1916/17 schreibt Möller: „Das im Jahre 1899 auf Veranlassung der Kaiserin Friedrich vom Frhr. L. von Ompteda herausgegebene Prachtwerk: ,Die von Cronberg etc.', läßt wohl, was die Einteilung des Stoffes, den Fleiß des Herausgebers sowie die innere und äußere Ausstattung des Buches anbetrifft, nichts zu wünschen übrig. Ein Abschnitt aber, der eigentlich die Grundlage des Ganzen hätte bilden sollen, ist darin entschieden zu kurz gekommen, nämlich die Genealogie des Geschlechts. Verschiedene Urkunden lassen sich mit den Ompteda'schen Stammtafeln absolut nicht in Einklang bringen und erweisen letztere als in vielen Punkten irrig." Wie aus den vorhergegangenen Zitaten ersichtlich ist, wird das Werk, was übrigens auch Wilhelm Jung in Omptedas Lebensbeschreibung feststellt, von vielen kritisiert und trotzdem von allen als die heimatgeschichtliche Fundgrube benutzt. Man mag zu Omptedas Werk stehen, wie man will, die Leistung, die dieser Mann erbrachte, verdient den größten Respekt! Besonders von uns Eschbornern. Denn ihm haben wir vieles von dem, was wir über die Geschichte unseres Dorfes wissen, zu verdanken. Abgesehen davon, daß ihm durch seine Auftraggeberin alle in Frage kommenden Bibliotheken und Archive offenstanden, hat er in einer Zeit von nur vier Jahren eine Arbeit geleistet, die sowohl über die geistige als auch physische Kraft der meisten von uns geht. Denn die Last dieser Arbeit war nicht, das Buch zu schreiben, sondern das Aufspüren und Sichten all der Bücher und Archivalien, die er als Quellen angibt und die über ganz Mittel- und Nordeuropa zerstreut in den Staats-, Landes- oder Stadtarchiven bzw. -bibliotheken verwahrt werden. Er hat, trotz der berechtigten Kritik, „wahrlich eine wertvolle und mühsame Aufgabe gelöst", wie es auch Für uns bzw. für die Geschichte unseres Heimatortes trifft dasselbe zu, was Helmut Bode in seinem Nachwort zu Wolfgang Ronners Bändchen „Als Kronberg hinter Mauern lag" schreibt: „Zudem war es ja das Ziel seines im Auftrag der Kaiserin Friedrich geschriebenen Werkes ,Die von Kronberg und ihr Herrensitz', die Geschichte der Burg und ihres Rittergeschlechts zu schildern. Trotz der seither notwendig gewordenen Korrekturen, wie sie z. B. Walter Möller in genealogischer Hinsicht in seiner ,Stammtafel westdeutscher Adelsgeschlechter im Mittelalter' bereits vorgenommen hat, wird der starke Band unter diesem Aspekt auch künftig unentbehrlich für uns bleiben." Auch für uns Eschborner wird Omptedas Werk als das Standardwerk der Geschichte unseres Heimatortes so lange unentbehrlich bleiben, bis es einer berufenen Eschborner Feder gelingt, in die von Ompteda aufgezeigten Quellengebiete Eschborner Vergangenheit vorzudringen und die Geschichte unseres Heimatortes und die seiner Bewohner aus Eschborner Sicht neu zu schreiben. Diesem Berufenen die Arbeit zu erleichtern, ist der Sinn dieser Faksimileausgabe. Denn bei der Herausgabe dieses Bändchens geht es mir nicht darum, den Büchermarkt um ein paar Blätter zu vermehren, sondern einzig und allein die spärlichen und schwer zugänglichen Quellen, die über unseren Heimatort berichten, aufzuspüren und neu zu fassen, damit die dünnen Rinnsale nicht ganz versiegen und einem größeren Interessentenkreis erschlossen werden. Was übrigens auch für die anderen Bändchen, der von mir gesammelten Geschichten „Aus Eschborns Vergangenheit" zutrifft. Die Herausgabe dieses Bändchens wurde durch die freundliche Genehmigung der Frankfurter Stadt- und Universitätsbibliothek für die Reproduktionen und durch das großzügige Entgegenkommen der Frankfurter Societäts-Druckerei bei der Drucklegung ermöglicht. Beiden sei an dieser Stelle recht herzlich gedankt! Eschborn /Taunus, im Mai 1980 |